Eine eigene kleine Root-CA für den localhost installieren

Datum: 2. August 2018
Autor*in: Benjamin Hofmann


Es ist eigentlich ein Wunder, dass  es immer noch keine allgemein anerkannte Lösung dafür gibt, selbsterstelle Zertifikate auf dem lokalen Webserver auf einfache Art und Weise zu installieren. Zumindest ist mir keine bekannt und ich hatte heute das große Vergnügen genau dies tun zu müssen.

Das Problem

Hintergrund ist der, dass im Zuge eines Kundenprojektes, eine Microsite erstellt werden soll, die auch offline aufrufbar ist. Und hierfür braucht es, nach aktuellen Standards, die sogenannten Service-Worker. Das sind kleine Skripte, die sich im Browser installieren und dann Hintergrundprozesse übernehmen, z.B. Push-Benachrichtigungen empfangen oder eben auch eine Art Offline-Proxy bereitzustellen. Diese brauchen jedoch nicht nur eine sichere Verbindung zum Server, sondern auch ein gültiges Zertifikat. Ansonsten erhält man unglaublich hübsch anzusehende Warnhinweise und der Service-Worker lässt sich im Chrome nicht sauber installieren. Chrome deshalb, da Firefox mit Bordmitteln keine Möglichkeit bietet diese Skripte zu kontrollieren oder zu debuggen und vom Internet Explorer will ich erst gar nicht reden.

Die Lösung

Nach einiger Verzweiflung und einigen Fehlversuchen das Ganze mittels selbstsignierter Zertifikate zu erledigen, bin ich schlussendlich auf das kleine Tool Minica gestoßen, welches sich mittel Go einfach installieren lässt. Dieses Werkzeug erstellt beim ersten Aufruf ein Root-Zertifikat, auf welchem alle daraufhin erzeugten Zertfikate basieren. Das Root-Zertfikat selbst muss man dann anschließend auf seinem Rechner installieren, die Domain-Zertifikate entsprechend im Server und dann kommt man auch schon in den Genuß grüner Schlösser in der Adressezeile des Browsers.

Installation von Go

Im folgenden will ich einmal die komplette Installation mitsamt Go auf einem Debian-basierten System durchspielen:

An sich kann man sich bequem an die Installationsanweisungen von Go selbst halten, also runterladen und entpacken. Anschließend muss man nur noch den $PATH anpassen, um zum einen den Befehl go selbst als auch die der installierten Packages nutzen zu können. In meiner ~/.bashrc stehen nun folgende zusätzliche Zeilen:

GOHOME=/usr/local/go
GOPATH=$HOME/go

PATH=$GOPATH/bin:$GOHOME/bin:$PATH

Installation/Nutzung von Minica

Anschließend kann man Minica auch schon mittels go get github.com/jsha/minica installieren und danach auch direkt mittels minica --domains=foo.bar ausführen. Hier empfiehlt es sich aber das in einem speziell dafür vorgesehenen Ordner zu tun. Auf meiner Maschine gibt es dafür den Ordner ~/workspace/apache2/ssl. Führt man also nun an dieser Stelle den Befehl aus, erhält man anschließend folgende Dateien:

~/workspace/apache2/ssl
├── foo.bar
│   ├── cert.pem
│   └── key.pem
├── minica.pem
└── minica-key.pem

Die beiden minica*-Dateien auf der obersten Ebene stellen werden später noch wichtig wenn es darum geht das Root-Zertifikat im Browser zu installieren, für den Server selbst braucht es jedoch nur die beiden Dateien im neuen Ordner foo.bar, welcher genau so lautet wie die Domain aus dem Befehl von vorhin. Diese beiden Dateien können dann im VHost eingebunden werden.

Was leider nicht funktioniert sind Wildcard-Domains wie z.B. *.bar. Diese lassen sich zwar erzeugen, aber der Browser meckert dann weiterhin, dass die aufgerufene Domain nicht zu der des Zertifikats passt. Aber dafür kann mittels Kommata ein Zertifikat für mehrere Domains erzeugen, z.B. minica --domains foo.bar,www.foo.bar. Das fürht zur gleichen Struktur wie oben gezeigt, aber das fertige Zertifikat ist eben für mehrere Domains gültig.

Root-Zertifikat im Browser installieren

Zu guter letzt schnappt man sich noch die Datei minica.pem und installiert diese in den verschiedenen Browsern.

Für den Chrome und Edge öffnet man dazu die Zertifikatsverwaltung von Windows selbst und wählt an der im Screenshot gezeigten Stelle „Importieren“. Dort wählt man dann noch den Ort der Datei aus, klickt ein paar mal weiter und das war es auch schon.

Im Firefox muss man stattdessen in die Einstellungen gehen, dort auf „Datenschtz & Sicherheit“ und kann ganz unten die Zertifikate anzeigen lassen. Im Tab „Zertifizierungsstellen“ kann man dann ebenfalls die minica.pem importieren.


Dieser Artikel wurde verschlagwortet unter:


Kommentare

Selber kommentieren:






Weitere Beiträge zum Thema Technologie


JavaScript, HTML5 & Angular Days 2016

Autor*in:


Technologie // Über den Tellerrand // User Experience & Design


Einige von uns Portalentwicklern waren im Oktober in Berlin auf den JavaScript, HTML5 & Angular Days 2016. Hier nachträglich noch kurz meine und Bennis Highlights: „Dem Benedikt seine Highlights“ CSS3 Flexbox Der Style „display: flex;“ ist ein unglaublich flexibles und simples Werkzeug, um Responsivität in die kleinsten Module zu bringen. Wo wir heute noch mit Style-Hacks arbeiten, …


Beitrag lesen
28
NOV
16

Mit HeidiSQL per SSH-Tunel auf Live-Systeme verbinden

Autor*in: Stefan Oswald


Technologie


Unsere Produktiv-Systeme akzeptieren aus Sicherheitsgründen keine Verbindungen mit dem MySQL-Server von externen Adressen. Dennoch möchte man manchmal mit einem anderen Tool als phpMyAdmin auf die Datenbanken sehen. Die Lösung hierfür ist ein SSH-Tunnel. Einfacher Hintergrund: Statt auf den normalen MySQL-Port verbinden wir uns über den SSH-Server mit dem Zielsystem. Dort angekommen können wir uns mit …


Beitrag lesen
23
APR
12

lory

Autor*in: Benjamin Hofmann


Technologie // User Experience & Design


Und schon wieder habe ich eine kleine schöne Javascript-Library gefunden: lory. Diesmal ist es keine Lightbox-Lösung wie PhotoSwipe gestern, sondern ein simpler Slider. Auch dieses Skript ist auf den mobilen Anwendungsfall ausgelegt und kann von Haus aus mit Swipes umgehen. Auch das sogenannte Infinite-Sliding ist möglich und auch dieses Skript lässt sich über RequireJS nutzen …


Beitrag lesen
23
SEP
16

OOP 2015 – Tag 3

Autor*in: Marc Kurzmann


Technologie // Über den Tellerrand


Heute ging’s gleich technisch los mit dem ersten Vortrag über Möglichkeiten zur Vereinfachung von Deployments und Abhängigkeiten zur Laufzeitumgebung. Goßes Problem stellt hier zum Einen die oftmals mühsame Bereitstellung der Laufzeitumgebung dar (insbes. Appserver, wie Tomcat etc.), zum Anderen bringt das eine große Abhängigkeit in den zu verwendenden Bibliotheken mit sich (Servlet-API). Einen interessanten Ansatz …


Beitrag lesen
30
JAN
15