„Wir sind dann nächste Woche auf der SmashingCon. Sollen wir jemandem was aus Amsterdam mitbringen, wenn wir schon einmal da sind? Ne Tüte Lakritz oder ein Autogramm von Kevin Powell?“
Ich lerne es wohl nicht mehr, in Team Meetings meine große Klappe zu halten. Allerdings hatte ich ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass jemand auf diese Frage eingeht. Tja, danke Christine, dass du dich gerade an dem Punkt meines Monologes aktiv einbringst, an welchem ich mich leichtsinnig den Konsequenzen unbeholfener sozialer Interaktion aussetze. Also gut, ein Autogramm von Kevin Powell für Christine soll es sein. Ein Versprechen das sich in der kuscheligen Sicherheit des Homeoffice leicht geben lässt.
Kevin wer?
Eine Millionen Menschen auf diesem Planeten sollten sofort wissen, wer Kevin Powell ist. Denn so viele Abonnenten hat sein YouTube Kanal. Ein YouTube Kanal auf dem wir Frontend Entwickler seit 10 Jahren Tipps und Lösungen für Echtwelt Styling Probleme abgreifen können. Auch dank seiner entspannten Bob Ross ähnlichen Vibes (Hello my Friend and Friends) hat sich Kevin zu einem der Sympathieträger der Webcommunity entwickelt.
Und an zwei Tagen der Conference gab es Kevin in zwei getrennten Sessions zu sehen. Für mich einer der Gründe gerade die SmashingCon in Amsterdam zu besuchen.
Tag 1
Kevins erste Session startet am ersten Tag um 11:50 Uhr. Kurz zuvor habe ich ihn bereits im Eingangsbereich des Pathé Tuschinski gesehen. Allerdings war er gerade im Gespräch mit jemand anders. Phu – Glück gehabt, das ist die perfekte Ausrede, um passiv zu bleiben. Carina schaut mich wertend von der Seite an als wir mit „Ich muss dringend auf Klo“ Geschwindigkeit durch das Foyer spurten. Aber das ist egal – der Mann ist beschäftigt, keine Zeit für Autogramme.
Ich bin normalerweise niemand der starstruck ist. Aber die Aussicht jemanden wie ein Fanboy anzuquatschen, stammelnd um ein Autogramm zu bitten und dabei klar zu kommunizieren das ich eigentlich doch ganz cool bin – verbraucht den 36 Stunden Antitranspirant Schutz meines Deos in knapp 20 Sekunden.
Die Unplugged Gesprächsrunde zusammen mit dem mir bis dato unbekannten Manuel Matuzović findet auf der Hauptbühne statt. Sie ist tatsächlich recht unterhaltsam, auch wenn der Neuigkeitswert überschaubar bleibt. In der Pause zuvor waren die Teilnehmenden dazu angehalten, ihre drängendsten Frontend Fragen mittels Sticky Notes an einem Whiteboard zu hinterlassen. Ich habe keine Frage hinterlassen – offensichtlich weiß ich schon alles.

Stattdessen schicke ich ein klammheimlich mit meinem Handy gemachtes Foto (hoffentlich ist der Blitz aus) an Christine: „Kevin Powell is on stage!“. Die Antwort kommt prompt: „Hey, super! Bist du aufgeregt?“ – phhff – ich doch nicht, bin cool – „Falls die Gelegenheit besteht, nimm nicht nur ein Autogramm, sondern mach auch ein Selfie mit ihm“.
… Wasted
Tag 2
Die Mission des Tages ist klar – Rein – Autogramm und Selfie besorgen – Wieder raus – ein 5 Minuten Abenteuer.
Um 14:50 Uhr startet heute Kevins Session „Smart Layout Patterns“. Perfekt! Da gibt es für mich sicherlich einen kommunikativen Hebel, um ihm im Anschluss ein Gespräch aufzunötigen. Eine Frage die ich zum Thema seiner Ausführungen habe. Oder eine abweichende Meinung. Und dann kann ich in das bereits laufende Gespräch mit einfließen lassen, dass ich ein Autogramm brauche – und ein Selfie – voll sneaky.
Carina und ich sitzen heute vorne, wie ein paar Oberstreber in der ersten Reihe, zusammen mit den ganzen Vortragenden. Für mich ungewohnt, sonst sitze ich bei den coolen Kids, ganz hinten im Bus und so. Aber eventuell kann ich Kevin Powell von hier aus direkt abfangen, wenn er zur Pause will.
Die ersten Sessions heute sind fantastisch, gerade zu inspirierend. Das lenkt mich direkt von meinem Sozialstress ab. Kurz vor der Mittagspause nehme ich die Unplugged Session „Agentic AI for Total Beginners“ von Christine Vallaure mit. Der Vortrag ist gut besucht. Ich muss mich mit einem Stehplatz begnügen. Im Anschluss treffe ich mich wieder mit Carina im Foyer und wir tauschen uns über unsere Erfahrungen zur letzten Stunde aus. Als ich Christines Ausführungen zu ihrem Multi Character/Single Agent Layout für Carina einordne warnt sie mich „Pssh pass auf was du sagst, sie steht grad hinter dir“. Das ist die Gelegenheit, um mir einen dringend nötigen Confidence Boost zu holen. Just in dem Moment, wo Christine herzhaft in einen Apfel beißt, fange ich das Gespräch mit ihr an – Timing ist alles. Aber sie ist großartig, spricht nicht mit vollem Mund und so tauschen wir ins rege aus, über Agentic AI, Tokenkosten und meine Überlegungen, ob ihr Ansatz auch mit lokalen LLMs abbildbar wäre.
Doch die Zeit verrinnt. Gelegenheiten zu einem Selfie mit Kevin Powell wird es nicht mehr viele geben. Ich lege mir bereits wilde Stories zurecht, wieso es nicht mit dem Foto klappen wollte und wie mein Hund das Autogramm gefressen hat.
Endlich kommt sie die Session, auf die ich gewartet habe „Smart Layout Patterns“. Und dann ging es um … ContainerQueries. In der Breite der Frontend Entwickler Community sind ContainerQueries wohl noch nicht angekommen. Aber bei infomax setzen wir diese zu Layoutzwecken bereits seit 2024 ein. Mir fallen einfach keine Fragen ein, die ich im Anschluss stellen könnte. Ich kann auch nicht mit oppositionellen Meinungen dienen: ContainerQueries Go! Ich merke nur, offensichtlich sind wir bei infomax schon ziemlich weit vorne dabei, wenn es um aktuelle CSS Techniken geht.

Endlich!
In der letzten Pause drücken Carina und ich uns im Foyer rum. Das war es wohl mit dem Autogramm und dem Selfie. Noch ein Vortrag dann ist die Conference vorbei. Und da schlendert er plötzlich zu uns auf den Gang. Kevin Powell zum Anfassen. Und was macht der Mensch da? Selfies? Mit Fans? Also mit echten – so uncoolen. Unfassbar! Ist es sozial wirklich akzeptabel fremde Menschen anzusprechen und darum zu bitten sich gemeinsam mit ihnen fotografieren zu lassen? Das kann ich auch. Im Augenblick hat ihn eine Frau in Beschlag, zerrt den armen Kerl durchs halbe Theater – Selfies vor unterschiedlichen Hintergründen – wie aufdringlich. Aber dann sind sie fertig, verabschieden sich. Eventuell ist auch nur ihr Handy Akku leer. Egal, mein Moment ist gekommen.
„Excuse me! You seem to be in a rather generous mood right now, making selfies with fans and everything. Would you mind if I ask …“
„Yeah sure no problem“
Und schon gehts los – Carina macht mehrere Fotos von uns – sie beharrt bis heute darauf das es sich also gar nicht wirklich um Selfies handelt, aber das ist mir egal. Getragen von meinem ersten Erfolg platziere ich:
„And, I’m so sorry, but I have to ask you for your autograph. It is actually not for me, but for a colleague of ours. She couldn’t attend and asked us to get this selfie and your autograph.“
Und auch hier – Erfolg – es fühlt sich cringe an, aber es klappt. Kevin Powell ist sofort bereit, alles für die Fans, alles für die Kollegen. Wir durchsuchen das halbe Foyer nach etwas auf dem man unterschreiben kann, finden aber nichts. Am Ende unterzeichnet er in meinem alten Moleskin Notizbuch – gut, dass ich das immer dabeihabe.


Im Anschluss unterhalten wir uns noch kurz. Nur ein paar Sätze zu ContainerQueries, dann geht schon die letzte Session der Conference los. Aber ich habe meine Beute. Selfie und Autogramm von Kevin Powell. Und eine Geschichte wie ich supercool an beides rangekommen bin.