OOP 2016, 2. Tag

Datum: 3. Februar 2016
Autor: Marc Kurzmann


Bring your Technology
Es geht gleich mit nem guten Thema los: die Experten wollen ihre Lieblings-Tools in jeweils 15 Minuten vorstellen; bin gespannt, ist bestimmt der eine oder andere „Geheimtipp“ dabei. Es startet Dierk König, der gleich voll in die Tiefe geht. Sein Thema ist STM – Software Transaction Memory, ein Konzept zur transaktionellen, parallelen Zugriffssteuerung auf gemeinsamen Speicher. Er hat hier eine elegante Lösung mit Frege (eine funktionale Programmiersprache für die JVM) vorgestellt. Bei den (sehr gewöhnungsbedürftigen) syntaktischen Details musste ich aber dann doch bei seinem Schnelldurchlauf aussteigen…
Interessant war auch der nächste Vortrag von Marco Emrich über die funktionale JavaScript-Bibliothek Ramda. Ramda erweitert JavaScript ähnlich den Java8-Streams um funktionale Pipelines auf unveränderliche Objekte. Ist bestimmt interessant für größere JavaScript-Anwendungen.
Nächster Vortrag war von Holger Kraus über Hystrix, ein von Netflix entwickeltes Open-Source-Framework zur Entwicklung fehlertoleranter Systeme. Zentraler Baustein von Hystrix ist hierbei die Umsetzung des „Sicherungs“-Patterns, welcher eine unzuverlässige Verbindung überwacht und bei Ausfall entsprechend reagiert, solange bis die Verbindung wieder aufgebaut ist. Das ist definitiv ein Konzept, welches wir auch für unsere Kommunikations-Verbindungen von und zu unseren Produkten einbringen sollten.
Markus Eisele stellte in seinem Vortrag Wildfly (aka JBoss App-Server) Swarm vor. Damit lassen sich fertig konfektionierte Teile eines Wildfly App-Servers zu eine „Fat“-jar zusammenbauen – also quasi ein runnable jar mit eingebautem Application-Server. Wäre zu untersuchen, ob sich hiermit auch nur ein Web-Appserver-Jar bauen lässt.
Zu guter letzt stellte Michael Stal das Thema IoT & Low-Tech-Design vor – war wohl eher ein Lückenfüller und nicht wirklich eine Vorstellung interessanter Tools.

Stefan Tilkov: Ab sofort alles anders: was eine neue Ausgangslage für die Architektur bedeutet
In einem Tilkov-typischen kurzweiligen Vortrag gab es einen Überflug über die neuesten Entwicklungen und Trends bzgl. Hardware-Veränderungen und Anforderungs-Strukturen, die teilweise erheblichen Einfluss auf die Software-Architektur haben werden. Exemplarisch seien hier z.B. die Änderung weg von HDD hin zu SSD und weiter zu direkteren Anbindungen persistenter Speicher per PCIe, die durch den extremen Performance-Gewinn jetzt gültige architekturelle Hilfsmittel wie Caching etc. obsolet machen. Überhaupt wird durch In-Memory-Computing und RAM-Clouds vieles weg von herkömmlichen Persistence-Storages verlagern. Weitere Themen waren noch SDx, Serverless Architecture und Unikernels.

Keynote – Johan Lybaert, Arie van Bennekum: The agile Software-Factory
Etwas enttäuschend war die erste Keynote des Tages, was meine Regel bestätigt, dass eine „eingekaufte“ Keynote eines Gold-Sponsors meistens nicht viel Inhaltliches zu bieten hat, sondern eher als Werbeplattform benutzt wird. Bezeichnend hierfür kam dann aus dem Publikum am Ende die Frage, ob sie mit der Vorstellung der agilen Software-Factory nicht 10 Jahr zu spät dran sind – war eben nur wenig überraschendes Agile-Zeugs drin.

Markus Eisele: Continuous Delivery with Docker containers
Spannender war dieser Vortrag von Markus Eisele – mal wieder Docker. Hier kristallisierte sich mal wieder heraus, dass das DevOps-Thema für viele (größere) Firmen immer mehr in den Fokus gerät. Die Trennung von Verantwortlichkeiten in Entwicklung und Betrieb hat eben die bekannten Nachteile – wenngeich es natürlich nicht ganz trivial ist in komplexen Umgebungen hier eine allgemeingültige Lösung anzubieten. Docker kann mit seiner isolierenden Container-technologie zumindest gut helfen. Weitere genannte Tools waren hier OpenShift zur Orchestrierung und Fabric8.

Keynote – Linda Rising, Mary Lynn Manns: Fearlessly leading change
Eine deutlich Keynote-Steigerung war hier zu erkennen. Die beiden Damen (gesetzteren Alters 😉 hatten in den letzten 20 Jahren 61 Muster bzw. Strategien zur Ideenfindung systematisch zusammengestellt und in einem Buch veröffentlicht („Fearless Change: Patterns for Introducing New Ideas“). Die Diskussionen um das Thema haben meine Neugierde auf alle Fälle geweckt.

Stefan Toth: NoBullshit – Architekturarbeit neu gedacht
Zum Abschluss des Tages dann mein persönlicher Höhepunkt, der Vortrag von Stefan Toth. In sehr kurzweiliger Manier ist er im ersten Drittel des Vortrags auf die klassischen Architektur-Aufgaben eingegangen: UML, RUP, Dokumentation etc. Dieses bisher sehr statische Vorgehen ist seiner Meinung nach nicht mehr zeitgemäß. Zur Stützung seiner Aussage hat er konkrete Beispiele von Netflix, Spotify, Gilt, Amazon und Google mitgebracht. Dort scheint das genannte schwerfällige Vorgehen anderen Methodiken gewichen zu sein. Dazu gehören: anstatt gewaltige Dokumentationsmonstren leichtgewichtige Prinzipien, Rahmenbedingungen, Qualitätsziele/Treiber und Diagramm-Skizzen. Blog-Dokumentation über Architektur-Entscheidungen mit den entscheidenden Antworten auf das „Warum“, „Was“, „Wie“ und „Wohin noch“. Genannte Blog-Beispiele sind http://techblog.netflix.com/ oder https://labs.spotify.com/

So jetzt ist Schluss für heute – morgen ist ein weiterer Tag …

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