Adobe kauft Figma …

Datum: 19. Oktober 2022
Autor: Axel Güldner


… diese Nachricht hat im September die Welt der Kreativen erschüttert und Investoren der Photoshop und PDF Firma verunsichert.
Zu teuer käme der 20 Mrd. Dollar Deal befinden viele und zu sehr getrieben vor der Furcht Adobes langfristig signifikante Marktanteile an die Konkurrenz zu verlieren.

Nun hat Adobe eine gewisse Historie hinsichtlich der Übernahme von konkurierenden Firmen. So führte ich bereits auf einer Konferenz Mitte 2009 ein Gespräch mit einem der ursprünglichen GoLive Entwickler. Dieser ging Ende der 90er nach Adobes Übernahme von GoNet zu Macromedia, um dort an der Entwicklung von Dreamweaver mitzuwirken. Kurioserweise sollte dies nicht viel für ihn ändern, da auch Macromedia nur wenige Jahre später von Adobe akquiriert wurde.

Adobe kauft scheinbar gerne Firmen auf, um wie im Falle von GoLive die eigene Produktpalette zu erweitern. Konkurrenzprodukte zur CreativeCloud geraten dabei gerne unter die Räder. So wurde die Weiterentwicklung der Illustrator Konkurrenz Freehand gestoppt, nachdem Adobe Macromedia 2005 übernahm, und Flash dem eigenen Portfolio hinzufügte.

Bislang hat Adobe mit XD ein direktes Konkurrenzprodukt zu Figma im Angebot. Da drängt sich also die Frage auf, welchen Kurs Adobe in Zukunft für die beiden Produkte vorgesehen hat und welche Auswirkungen das auf uns bei Infomax hat. Seit 2017 verwenden wir Figma im Bereich des Oberflächendesigns, Prototypings und der Konzeption. Aktuell verfügen wir über rund 70 Projektknoten in Figma, mit entsprechend vielen Designs und FigJams. Der Impact von Adobes Entscheidungen ist also unter Umständen enorm.

Nichts wird sich ändern – alles bleibt wie es ist.

Dies ist bislang die offizielle Stellungnahme. Weder soll sich am Preismodell von Figma etwas ändern, noch wird Figma Teil der CreativeCloud. Gleichzeitig sollen Figma und die CC Produkte von künftigen Synergieeffekten profitieren.
Es wäre sehr wünschenswert wenn diese Absichtserklärung auch tatsächlich in die Tat umgesetzt wird. In so einem Fall gibt es für uns keinen Grund irgendwie zu reagieren. Im Gegenteil, eine engere Verzahnung mit Adobes CreativeCloud könnte Figma zum Vorteil im kreativen Workflow gereichen, da wir zusätzlich zu Figma auch immer noch Adobes Produktpallete im Einsatz haben.

Figma wird Teil der CreativeCloud.

Sollte dieser Fall eintreten, bleibt abzuwarten wie sich das Preismodell ändert. Zugriff auf CreativeCloud Produkte hat bislang nur, wer auch eine entsprechende Lizenz bezahlt. Bei Figma gibt es bislang aber auch kostenlose Zugänge.
Starter Plan: Ein vollwertiger Zugang zu Figma mit stark begrenzter Zahl an Designern und Projekten. Ideal für private Projekte oder sehr kleine Teams.
Viewer Zugänge: Viewer können nicht aktiv mit Figma arbeiten, aber sie können Designs betrachten, Grafiken exportieren, Kommentare hinterlassen und haben Zugang zur Code Ansicht. Dieser Zugangstyp ist bei uns stark im Einsatz. Kunden und Projektmanager können so jederzeit mit ihrem kostenfreien Zugang den Stand ihres Projektes bei uns prüfen. Entwickler hingegen können Code extrahieren und Grafiken exportieren, also alles das tun, was für eine vernünftige Frontend Umsetzung eines Oberflächendesigns benötigt wird.

Figma wird eingestellt um Adobe XDs Marktposition zu stärken.

Scheinbar das Worstcase Szenario. Denkbar wäre das Adobe eine Art Migration anbietet um Figma Projekte in XD zu überführen. Für uns würde das bedeuten, dass wir unseren Designprozess auf Adobe XD umstellen müssten. Kollaboration wie in Figma oder kostenfreie Viewer Zugänge für Kunden, Projektmanager und Entwickler gäbe es nicht mehr. Mit einem Schlag würde unser Prozess um 8 Jahre zurückgeworfen werden, falls es nötig wird Designs für Abnahmen beispielsweise als JPGs zu exportieren.

Persönlich gehe ich nicht davon aus, dass Adobe Figma einstellt.

Zu kostspielig wäre die Übernahme nur um lediglich ein Produkt der CreativeCloud zu stärken. Dem widerspricht auch die Verlautbarung, dass Figmas Entwicklungsteam inklusive Führung intakt bleiben soll, um so weiterzuarbeiten wie bislang.
Allerdings kann ich mir auch nicht vorstellen das jemand 20 Mrd. Dollar ausgibt, nur damit am Ende alles so bleibt wie es ist. Adobe verspricht sich etwas von der Übernahme und hat sicherlich nicht rein altruistische Motive wie Synergieeffekte zwischen den Design Communities zu schaffen.

Bei infomax werden wir die Entwicklung weiter beobachten. Sollte Figma Teil der CreativeCloud werden, würde sich unsere konkrete Designtätigkeit nicht unmittelbar ändern, da bei uns auch jeder Designer über eine CreativeCloud Lizenz verfügt. Sollten kostenfreie Zugänge entfallen, so müssten wir prüfen, in wie weit dies einen zu starken Rückschritt im gesamten Projektprozess bedeutet.
Gleichzeitig werden wir Alternativen zu Figma prüfen, wie etwa die Software penpot, welche einen vergleichbaren Scope aufweist und zudem bislang Open Source und kostenlos ist. Denn auch wenn es nicht in unsere Absicht ist, Figma in einer Nacht und Nebel Aktion zu ersetzen, so ist es dennoch gut sich zeitig über Alternativen zu informieren bevor ein Wechsel irgendwann unter Umständen unumgänglich ist.

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